06.09.2010 - 18:09
In naher Zukunft könnte 60 Prozent aller Lkw-Fracht auf die Schiene verlagert werden. Das zumindest versprechen sich das Bautzener Betreiberkonsortium und Güterverkehrsexperten vom Pilotprojekt "Cargo Beamer", das jetzt in
Leipzig der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Möglich machen soll das eine neue Terminal-Technik, die die Umladevorgänge vom Lkw auf die Schiene automatisiert.
Der technische Hintergrund: Rund sechs von zehn Lkw auf deutschen Straßen sind Zugmaschinen mit Sattelauflieger zum Transport der Ladung. Diese wiederum sind zu 98 Prozent nicht "kranbar". Das bedeutet: Sie lassen sich nicht per Greifkran zur Weiterfahrt auf einen Güterzug umladen. Dafür müsste der Boden der Auflieger speziell verstärkt werden. Diese Investition von mehreren Tausend Euro pro Stück scheuen die Spediteuren schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen.
Im neuartigen Verfahren laufen die Umschlag-Vorgänge fast vollständig automatisiert ab. Der Lkw stellt den Sattelauflieger in einem speziellen Waggonaufsatz ab und verlässt das Terminal. Der Auflieger selbst wird seitwärts auf den Bahn-Waggon geschoben. Auf diese Weise schafft es der "Cargo Beamer" nach Angaben seiner Entwickler in einer Viertelstunde, einen kompletten Zug zu be- oder entladen. Bisher nahm dieser Vorgang mehrere Stunden Zeit in Anspruch. Zudem dürfte sich mit der neuen Technik auch der Spurwechsel, wie er im Schienenverkehr mit Osteuropa unumgänglich ist, in Zukunft deutlich schneller bewerkstelligen lassen als bisher.
Praxistest im Pendelverkehr
Ab November dieses Jahres soll das neue System bei einem Praxistest im Pendelverkehr zwischen Leipzig und Litauen seine Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen. Sollte das Projekt, das von der EU mit fünf Millionen Euro gefördert wird, Schule machen, könnten sich die Transportkosten im Vergleich zum Güterverkehr auf der Straße um bis zu 20 Prozent reduzieren lassen.
Ein möglicher Hemmschuh wären dann allerdings noch die hohen Anfangsinvestitionen für den flächendeckenden Neubau entsprechender Terminals. Die Kosten hierfür werden auf zehn bis 20 Millionen Euro pro Standort beziffert.
auto.de/(mah/mid)
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