11.03.2011 - 18:03
Bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart des neuen Bio-Kraftstoffs mit zehn Prozent Ethanol zeichnete sich ab, dass deutsche Autofahrer diesem sehr ablehnend gegenüber stehen. In einer von auto.de durchgeführten Umfrage mit über 10.000 Teilnehmern sprachen sich 93 Prozent gegen das neue E10 aus. Dieser Trend bestätigte sich später auch an den Tankstellen. Während die Pächter auf ihren E10-Reserven sitzen blieben, werden nach und nach die anderen Benzinsorten wie Super E5 und Super-Plus knapp und damit teurer.

E10 ist fauler Kompromiss
Dabei raten mittlerweile selbst Experten vom sogenannten Bio-Kraftstoff ab. In einem Interview enttarnte Professor Jürgen Schmid vom Fraunhofer-Institut für Windenergie- und Energiesystemtechnik Kassel, der gleichzeitig auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen ist, die Umweltbilanz von E10 als faulen Zauber. Zum einen sieht Schmid effizientere Methoden Energie zu sparen und Klimaschutz zu betreiben. Durch Anbau, Düngung und Transport der für die Ethanol-Produktion benötigten Rohstoffe, falle teilweise mehr CO2 an, als durch dessen Beimengung zum Kraftstoff eingespart werde. Zudem erhöht sich der Benzinverbrauch bei E10 durch den geringeren Energiegehalt. Schmid sieht in der Einführung von E10 ein Ablenkungsmanöver der Regierung. Sie sei zu feige, eine konsequente Politik, weg vom Öl, auf den Weg zu bringen.

(Des-)Informationspolitik
Eines der größten Probleme bei der Einführung von E10 ist die katastrophale Informationslage, welches Modell welches Herstellers den erhöhten Ethanolgehalt nun verträgt und welches nicht. Weiter trägt zur Verunsicherung der Bürger bei, dass es lange Zeit keine verbindlichen Aussagen der Automobilhersteller zu diesem Thema gab. Sollte ein Wagen tatsächlich Schaden durch E10-Gebrauch nehmen, muss der Fahrzeughalter beweisen, dass der neue Kraftstoff tatsächlich verantwortlichen für den Defekt sei, was nur schwer zu beweisen ist. Gerade im Vorfeld des sogenannten Benzingipfels am vergangenen Dienstag warfen sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft gegenseitig mangelndes Engagement für die Information der Bürger vor.
Samstag ist Zapfenstreich
Die Enttäuschung über den Ausgang des Treffens von Regierung, Wirtschaft und Verbänden, machte sich vielerorts Luft.
So beklagte der Auto Club Europa (ACE) , dass das Spitzengespräch für den Verbraucher, bis auf mehr Papier in Form von Informationsbroschüren, keine Fortschritte gebracht habe. Diese machen nun selbst Mobil gegen das staatliche Durchdrücken von E10 und die damit einhergehenden Benzinpreiserhöhungen. auto.de ruft mit vielen anderen zum Tank-Boykott an diesem Samstag auf.
So beklagte der Auto Club Europa (ACE) , dass das Spitzengespräch für den Verbraucher, bis auf mehr Papier in Form von Informationsbroschüren, keine Fortschritte gebracht habe. Diese machen nun selbst Mobil gegen das staatliche Durchdrücken von E10 und die damit einhergehenden Benzinpreiserhöhungen. auto.de ruft mit vielen anderen zum Tank-Boykott an diesem Samstag auf.Gefordert wird eine bessere Information der Bürger über den neuen Kraftstoff, eine generelle Wiedereinführung des E5 Kraftstoffes um dem Kunden die Wahl an der Zapfsäule zu lassen, ob er den Regierungs-Sprit-E10 überhaupt tanken will. Außerdem muss der Preis pro Liter für E10 deutlich sinken, anstatt die Preise der anderen Sorten in die Höhe zu treiben. Durch den Zusatz von zehn Prozent Alkohol und damit einem geringeren Mineralölanteil, ist der derzeitige Preis nicht zu rechtfertigen. In anderen Europäischen Ländern wie Frankreich ist daher das E10 im Schnitt um der Cent billiger als normales Super Benzin.
Längerer Boykott in Aussicht
Sollte sich nach dem heutigen Tank-Boykott nichts ändern, will auto.de solche Aktionen auch künftig wiederholen. Eine änliche Verbraucher-Mobilisierung hatte bereits 1995 Erfolg, als massive Boykotts der Konsumenten den Ölriesen Shell dazu zwangen, ihre Öllager- und Verladeplattfrom Brent Spar zu demontieren, anstatt einfach in der Nordsee zu versenken. Damals hatten auch einige deutsche Behörden Shell boykottiert, und der Konzern musste bis zu 50 Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen.
auto.de/holger zehden
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