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Watt ihr Volt: Elektro-Motorräder

Watt ihr Volt: Elektro-Motorräder

Born to be mild: Brammo Enertia Elektro-Motorrad

In den USA herrscht offenbar ein Klima, in dem Elektro-Fahrzeuge gut gedeihen. Mit der Brammo Enertia könnte bald ein weiteres E-Bike aus „gods own country“ zu uns kommen. Die Firma Brammo Incorporated wurde 2002 von Craig Bramscher gegründet. „Brammo“, das war zu Highschool-Zeiten Craigs Spitzname. So wurde er vom Trainer seines Football-Teams gerufen, und so nannte er seine Firma. Mit Software hat Craig gutes Geld verdient, das steckt er nun in seine Idee von elektrischer Mobilität. In Ashland, Oregon, nur zwölf Meilen von der Grenze zum „grünen“ Kalifornien entfernt, werden die Enertias gebaut. Gerade mal zwei Stunden dauert es, bis eines der E-Bikes, die in den USA über das Internet und eine große Elektronikkette vermarktet werden, auf den Rädern steht. Günstige Produktionskosten, davon ist Bramscher überzeugt, sind der Weg, um gegen den Wettbewerb aus Asien bestehen zu können. Und neue, umweltschonende Technologien. Null Emissionen, keine Geräuschentwicklung, geringe Unterhaltskosten – und eine umweltfreundliche Produktion. Recycelte Materialien kommen beim Bau der Enertias zum Einsatz, aus ehemaligen Plastikflaschen werden die Kotflügel gefertigt.
Brammos E-Bike nutzt einen in einem Alurahmen hängenden bürstenlosen Wechselstrommotor. Der hat eine Leistung von rund 13 kW, was 18 Pferdestärken entspricht. Das maximale Drehmoment liegt bei 40 Nm. Die Watt ihr Volt: Elektro-MotorräderAntriebsleistung trifft bei der 207 cm langen Enertia auf rund 145 Kilo Gewicht, die Zuladung inklusive Fahrer liegt bei 125 Kilogramm. Die 18 Pferde reichen für eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h, und mehr. Je nach Topographie und Fahrweise soll die Reichweite mit einer Akkuladung bei 60 bis 70 Kilometern Fahrstrecke liegen. Bei 76,8 Volt speichert der Lithium-Eisen-Phosphat-Akkupack eine Ladung von 3,1 kWh. Ungefähr vier Stunden dauert ein Ladevorgang, Ladegerät und Ladekabel stecken unter dem „Tank“ des knapp 50 cm breiten Bikes (Breite von Lenkerende zu Lenkerende: 84 cm). Rund 2.000 Ladevorgänge soll man, so verspricht der Hersteller, dem Akkupack zumuten können.
Einen prominenten Fan hat Brammos Enertia bereits. Der Schauspieler Jackie Chan hat sich für seine JCAM (Jackie Chan Advanced Mobility Company Ltd.) den Verkauf der E-Bikes in Hongkong und Singapur gesichert. Aber nicht nur in den USA und Asien soll die Enertia Verkaufserfolge einfahren, auch Europa ist ein bereits angepeilter Markt. Vom Hersteller war zu erfahren, dass die E-Bikes möglicherweise bereits gegen Ende des Jahres in Deutschland verfügbar sein könnten. In den USA liegt der Verkaufspreis der Brammo Enertia aktuell bei 7.995 Dollar.

Quantas

Ganz ohne Motorgeräusch und ohne Gestank fahren auch die Quantyas. Herzstück der Moto-Cross-Maschine aus der Schweiz ist eine Lithium-Polymer-Batterie. „Nach etwas mehr als eine Stunde Auftanken an der Steckdose, kann man - je nach Fahrweise - bis zu drei Stunden Fahrspaß im Gelände haben“, so Hans Eder, Importeur des Watt ihr Volt: Elektro-MotorräderQuantya und Geschäftsführer von Kom Enterprise GmbH aus Burgkirchen. Dabei liefert das Motorrad über den gesamten Zeitraum die volle Leistung von 14 kW / 19 PS bei 38 Nm. Parameter, die lker ocder Zugkraft eines 250 ccm-Motorrads entsprechen. Beim Fahrwerk des Quantya sind Ähnlichkeiten zum Mountainbike erkennbar. „Wegen umweltpolitischer Notwendigkeiten wurde der Motocross-Sport in Deutschland immer weiter zurück gedrängt,“ so Eder. Waren in den 80-er und auch 90-er Jahren in ganz Deutschland unzählige Motocross-Strecken für freies Training geöffnet, so verschwanden diese in den letzten Jahren mehr und mehr von der Bildfläche.
Kurzum: es wurde im Laufe der Jahre immer schwieriger, aufwändiger und teurer, den Motocross-Sport auszuüben. Mit dem Quantya soll Moto-Cross wieder ohne großen Aufwand möglich werden. Durch die Geräuschlosigkeit kann die Quantya an vielen Orten gefahren werden. Zum anderen soll ein Quantya auch im Alltag ein ökologisches Vorbild sein. Null Emission und – im Vergleich zum Verbrennungsmotor niedrige Betriebskosten – sollen das Quantya auch ökonomisch attraktiv machen. Die Kosten sollen, je nach Stromanbieter, für eine Akkuladung bei derzeit maximal 50 Cent liegen. Das Quantya ist in der aktuellen Version mit Straßenzulassung auf Basis eines 125 ccm-Motorrades erhältlich. Je nach Fahrstil sind mit dem Quantya Fahrstrecken von bis zu 100 Kilometer möglich.

Kleiner Stromer: KTM präsentiert Elektromotorrad

Bisher haben etablierte Motorrad-Firmen den Einstieg in den Markt der Elektro-Bikes nicht so richtig vollziehen wollen. Dafür sei es noch zu früh, die Teile seien zu unzuverlässig, die Marktchancen zu gering – und was der Argumente mehr sein mögen. Aber jetzt preschen die Österreicher vor, als einer der großen Motorrad-Hersteller hat KTM erste Elektro-Bikes avisiert.
Gleich zwei – serienreife - sportliche Modelle mit Akkuantrieb stellten die Mattighofener ausgerechnet auf der Tokyo Motorcycle Show 2010, im Land der vier großen Motorrad-Firmen, unter der Bezeichnung „Freeride“ vor. Die Supermoto- und auch die Enduro-Version treibt eine zum Patent angemeldete und gekapselte Batterie-Motor-Kombination an. Eigentlich ist es kein Wunder, dass KTM ausgerechnet jetzt den Eintritt in den ein wenig riskanten, da noch neuen und unbekannten Markt der Elektromotorrädern wagt. KTM ist Spezialist für die Segmente Offroad, Supermoto und sportliche Bikes. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan „Ready to Race“ und hat ein gutes Image als Seriengewinner in der Motorradwertung der Rallye Dakar. Mit diesem Hintergrund kann man keinen Elektro-Roller präsentieren. Andererseits laufen für KTM die Geschäfte, wie bei allen anderen Motorrad-Herstellern auch, na ja, sagen wir mal: suboptimal. Da schaut man sich dann schon mal nach neuen Kunden und Käuferschichten um und denkt über Diversifizierung nach. Dieses Nachdenken hält bei KTM schon etwas länger an. Denn der Motorradhersteller aus Österreich zeigte schon im Oktober 2008 einen Crosser mit Watt ihr Volt: Elektro-MotorräderElektroantrieb. Zugegeben, „damals“ waren noch viele Fachleute der Auffassung, es handele sich um einen Marketing-Gag, eine kleine Fingerübung der Mattighofener Ingenieure. Daneben getippt.
Schon im kommenden Jahr will KTM die Supermoto und die Enduro mit Elektroantrieb bauen. Ab Frühjahr 2011 sollen beide Modelle zu kaufen sein, für die Supermoto soll eine Straßenzulassung möglich sein. Die Geländemaschine soll deutlich leiser als ein herkömmliches Motorrad sein, und völlig emissionsfrei dazu. Der Vorstandsvorsitzende von KTM, Stefan Pierer, sieht die Situation recht eindeutig: „Emissionsfreie Fortbewegung mit dem Motorrad bringt kurzfristig vor allem für den Offroad-Sport neue Impulse und eröffnet völlig frische Perspektiven, deshalb sind wir hier in doppelter Hinsicht gefragt". Er setzt auf die E-Strategie und erhofft sich - neben einer deutlichen reduzierten Geräuschkulisse bei Elektro-Rennen und damit eine deutlich bessere Akzeptanz für stadtnahe Enduro- und Motocross-Strecken: – vor allem neue Rennklassen. „Wenn die Anwendung des Sportgerätes lautlos näher an 'zu Hause' rückt, können neue Zielgruppen erschlossen werden." Pierer gibt eine mutige Prognose ab und schätzt, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren rund ein Drittel der Enduro-Maschinen von Elektromotoren vorangetrieben werden dürfte.
Die Supermoto soll wie auch die Geländeversion von einem Block aus Lithium-Ionen-Batterien, der für die Stromversorgung zuständig ist, angetrieben werden. Für gut 45 Minuten fahrt soll der „Saft“ des Akku-Packs ausreichen, dann muss der Akku etwa 90 Minuten aufgeladen werden. Rund 500 Ladungen sind derzeit laut KTM realisierbar, was etwa dem normalen Lebenszyklus eines Enduro-Motorrades entsprechen soll. Der E-Motor dürfte bereits ab 500 Umdrehungen pro Minute für ein Drehmoment von 45 Nm gut sein, der E-Motor soll bis zu 22 kW / Watt ihr Volt: Elektro-Motorräder30 PS bringen. Damit sollen einer 125 ccm-Zweitakt-Maschine vergleichbare Fahrleistungen realisiert werden können. Bei einem Fahrzeuggewicht von gerade mal 90 Kilogramm müsste eine Spitzengeschwindigkeit von rund 70 km/h locker zu realisieren sein. Für die Steuerung sorgt ein Drive-by-Wire-System. Das leitet in Verbindung mit einem eigens entwickelten Controller die Impulse elektronisch an den Motor. Erstmals setzt KTM in einem Paket gekoppelt eine EInheit von Akku und elektrischem Synchronmotor ein. Die Kombination soll die speziell bei Cross-Maschinen üblichen Verschleiß-, Schmutz- und Wasser-Probleme deutlich reduzieren.
KTM positioniert sich mit den Freeride-Modellen deutlich abseits der großen japanischen Hersteller. Die setzen, wenn überhaupt, auf den Roller-Markt. BMW denkt über ein eigenes, langfristiges "Elektro-Konzept für die urbane Mobilität" nach. Der Wettbewerb dürfte eher in Firmen wie den amerikanischen Herstellern Brammo oder Zero liegen. Beim Preis könnte die KTM den US-Modellen Paroli bieten. Er soll bei unter 10.000 Euro liegen, und damit auf dem Preisniveau einer konventionellen Sport-Enduro von KTM.

auto.de/Gerhard Prien | Fotos: Prien

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