05.11.2009 - 16:11
Blut geleckt
Wer diesen Betrag entbehren kann, dem sei der Zweisitzer ohne Einschränkung ans Herz gelegt. Der SLS ist das erste von AMG komplett in Eigenregie entwickelte Serienfahrzeug. Und dabei legte die Motoren- und Tuningschmiede ein zügiges Tempo vor: Vom ersten wohlwollenden Nicken von Daimler-Chef Dieter Zetsche bis
zum Produktionsstart vergingen nur gut drei Jahre. Jetzt hat man in Affalterbach offenbar Blut geleckt; denn dass als nächstes ein SLS Roadster kommt, gilt schon als gesichert.
zum Produktionsstart vergingen nur gut drei Jahre. Jetzt hat man in Affalterbach offenbar Blut geleckt; denn dass als nächstes ein SLS Roadster kommt, gilt schon als gesichert.Hort verrückter Cowboys
Die 100-prozentige Daimler-Tochter AMG, die bei Mercedes früher als Hort verrückter Cowboys verschrien war, dürfte dadurch immer mehr zum Zentrum der sportlichen Kompetenz heranwachsen und zunehmend für jene Emotion zuständig sein, die man bei den Stuttgartern bisweilen vermisst. Man habe weniger Kompromisse machen müssen, heißt es bei den AMG-lern. Während etwa ein SL trotz aller Antriebsdynamik immer noch den markentypischen Komfort bieten muss, darf der SLS bei Sound, Performance und Auslegung kerniger, krawalliger und rabiater auftreten.
Stimmige Proportionen
Der Flügeltüren-Showeffekt ist daher nur das i-Tüpfelchen, das für Aufsehen bei jedem Tankstopp und bei jedem Halt auf dem Boulevard sorgt. Es sind auch die stimmigen Proportionen, die ellenlange Motorhaube, die Kombination aus extremer Tieflage, breiter Spur und langem Radstand, die diesen SLS ausmachen; oder der manchmal brüllende, manchmal blubbernde Achtzylinder: Für die Kreation des Motorsounds mussten 16 Abgasanlagen entwickelt werden, bevor endlich alle Verantwortlichen zufrieden waren.
Ganz ohne Kompromisse ging es dabei aber nicht. Weil die neue Aluminium-Karosserie besonders hellhörig ist, war das Innenraumgeräusch anfangs dann doch zu hoch, als dass man es einem Mercedes-Kunden hätte zumuten können. Erst der aufwendige Einsatz von Dämmmaterialien brachte ein Geräuschniveau, mit dem alle leben können. Das wiederum wirkte sich auf das Fahrzeuggewicht aus, das mit
1 620 Kilogramm moderat, aber keineswegs rekordverdächtig ausfällt. Auch die Annehmlichkeiten modernen Autofahrens wie Klimaautomatik, Sitzheizung und Einparkhilfe dürfen natürlich nicht fehlen.
1 620 Kilogramm moderat, aber keineswegs rekordverdächtig ausfällt. Auch die Annehmlichkeiten modernen Autofahrens wie Klimaautomatik, Sitzheizung und Einparkhilfe dürfen natürlich nicht fehlen.Ein paar Einschränkungen
Dennoch müssen Fahrer und Beifahrer angesichts des schmalen Kofferraums mit einem Volumen von 176 Litern und weniger Ablageflächen ein paar Einschränkungen hinnehmen. Sitzriesen mangelt es zudem an Freiheit über dem Haupthaar. Der Einstieg durch die offenen Flügeltüren gelingt hingegen ohne Verrenkungen; beim Ausstieg stoßen sich Anfänger gelegentlich den Kopf.
Herzstück
Während der Zweisitzer bei der großen Konzernmutter im Werk Sindelfingen gebaut wird, kommen die Motoren aus der AMG-Heimat Affalterbach. Die Basis des 420 kW/571 PS starken 6,2-Liter-Benziners liefert jener V8, der etwa im neuen E 63 AMG zum Einsatz kommt. Modifikationen am Ventiltrieb und an den Nockenwellen sowie die Entdrosselung der Abgasanlage lassen den Sauger, der unmittelbar vor der Fahrgastzelle als Frontmittelmotor platziert ist, noch bissiger und drehfreudiger auf Gasbefehle ansprechen. Bei diesem unwiderstehlichen Antritt kommen Gedanken an einen Turbo gar nicht erst auf.
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